Goldener Herbst am Kahlenberg – mit Hund durch die Weinberge Wiens

Herbstwanderung am Kahlenberg in Wien: Mit Cielo, dem Heurigenexpress und herrlichen Ausblicken durch goldene Weinberge nach Grinzing.

Mit Cielo, dem Heurigenexpress und einer Wanderung durch die goldenen Weinberge von Wien zurück nach Grinzing.

Es gibt Herbsttage, an denen die Natur noch einmal all ihre Farben hervorholt, bevor sie sich langsam in den Winter verabschiedet. Die Luft ist klar, die Blätter leuchten in warmem Gold und Kupfer, und die tief stehende Sonne lässt selbst vertraute Wege wie neu erscheinen. An einem solchen Oktobernachmittag machten wir uns mit unserer Lagotto-Hündin Cielo auf den Weg zum Kahlenberg. Was als kleiner Ausflug begann, wurde zu einer dieser Erinnerungen, die lange bleiben.

Mit dem Heurigenexpress durch den Wiener Herbst

Von unserer Wohnung in Grinzing spazierten wir mit Cielo zur Bushaltestelle und fuhren nach Heiligenstadt. Dort wartete ein ganz besonderes Vergnügen: der Vienna Heurigen Express, eine kleine, blau-gelbe Ausflugsbahn auf Rädern. Schon ihr Anblick macht gute Laune. Gemächlich geht es von Heiligenstadt durch Nußdorf hinauf zum Kahlenberg – eine Fahrt, bei der nicht die Geschwindigkeit zählt, sondern alles, was man unterwegs entdeckt.

Blau-gelber Heurigenexpress mit Anhänger am Kahlenberg in Wien
Der charmante kleine Heurigenexpress.

Mit jeder Kurve wurden die Ausblicke schöner. Die Weinreben standen in langen Reihen an den Hängen, ihre Blätter schimmerten in Honiggelb, Bernstein und rostigem Rot. Zwischen ihnen hielten sich letzte grüne Farbtupfer, als wollten sie den Sommer noch ein wenig festhalten. Alte Bäume breiteten ihre bunt gefärbten Kronen über die Wege. Wo Sonnenstrahlen durch das Laub fielen, glühten einzelne Blätter wie kleine goldene Münzen. Und immer wieder öffnete sich zwischen den Hängen der Blick weit über Wien.

Cielo schaute neugierig umher, während wir die frische Luft und die gemütliche Fahrt genossen. Dieser kleine Zug macht einfach Spaß. Manchmal braucht es nicht mehr als ein ungewöhnliches Gefährt, eine schöne Landschaft und die richtigen Begleiter, um einen ganz gewöhnlichen Tag besonders zu machen.

Der Kahlenberg: Aussicht, Geschichte und eine gute Jause

Oben angekommen erwartete uns der Kahlenberg, einer der bekanntesten Aussichtspunkte Wiens. Der Berg liegt 484 Meter über dem Meeresspiegel. Von hier sieht man die Donau, die Brücken und die Dächer der Stadt bis weit zum Horizont. So friedlich diese Höhen heute wirken, so bewegt ist ihre Geschichte: Im September 1683 rückten die verbündeten Entsatztruppen unter dem Oberbefehl des polnischen Königs Jan III. Sobieski über die Höhen des Wienerwaldes vor. Ihr Angriff am 12. September trug entscheidend dazu bei, die zweite osmanische Belagerung Wiens zu beenden.

Uns beschäftigten an diesem Nachmittag zunächst angenehmere Dinge: Wir hatten Hunger. An einem kleinen Imbiss auf dem Kahlenberg gönnten wir uns eine Wiener Jause – hervorragenden Kümmelbraten, einen Käse-Schinken-Toast und ein Glas roten Sturm. Dieser junge, noch gärende Wein gehört zum Wiener Herbst wie das goldene Laub zu den Rebstöcken. Wir saßen beisammen, ließen es uns schmecken und freuten uns darüber, einfach Zeit zu haben. Cielo war selbstverständlich an unserer Seite.

Vom Kahlenberg nach Grinzing: durch ein Meer aus Weinreben

Nach unserer Stärkung machten wir uns zu Fuß auf den Heimweg. Der Weg führte bergab, hinein in die Weinberge in Richtung Grinzing. Nun begann für uns der vielleicht schönste Teil des Nachmittags. Lange, sorgfältig angelegte Rebzeilen zogen sich wie goldene Bänder über die sanften Hänge. Die Blätter leuchteten in Ocker, Kupfer und warmem Gelb; hier und da hielten sich noch zarte Grüntöne. Dahinter erhoben sich die bewaldeten Hügel des Wienerwaldes, deren Kronen ein buntes Mosaik aus dunklem Grün, Rotbraun und Gold bildeten.

Goldene Weinberge unter einem dramatischen Wolkenhimmel am Wiener Kahlenberg
Die herbstlichen Weinberge im wechselnden Licht.

Über uns spannte sich ein weiter Himmel. Große silbergraue Wolken wanderten langsam dahin, dazwischen öffneten sich immer wieder leuchtend blaue Fenster. Wo die Nachmittagssonne durchbrach, tauchte sie einzelne Hänge in weiches Gold, während die Nachbarhügel schon im Schatten lagen. Das Licht veränderte die Landschaft mit jeder Minute. Man wollte immer wieder stehen bleiben, um nur noch ein wenig länger hinzusehen.

Herbstliche Rebzeilen in goldenem Sonnenlicht unter Wolken bei Grinzing
Goldenes Licht auf den Rebzeilen.

Cielo hatte ihre eigene Vorstellung von einer gelungenen Wanderung. Während wir die Landschaft mit den Augen bestaunten, gab es für sie am Wegesrand unzählige Gerüche zu erkunden. Hunde erinnern uns auf wunderbare Weise daran, dass die Welt nicht nur aus dem besteht, was wir sehen. Mit ihr wird selbst ein vertrauter Spaziergang immer wieder zu einer kleinen Entdeckungsreise.

Wien zu unseren Füßen

Besonders eindrucksvoll war der Blick, der sich zwischen den Bäumen plötzlich auf die Stadt öffnete. Tief unter uns zog sich die Donau wie ein breites silbriges Band durch Wien. Brücken überspannten den Fluss, die Hochhäuser der Donau City ragten markant über die Dächer, und dahinter erstreckte sich die Stadt bis zu den fernen Hügeln. Unmittelbar vor uns aber standen goldene Weinreben und herbstliche Bäume. Dieser Gegensatz war fast unwirklich: hier die stille Natur, dort das Leben einer Millionenstadt.

Panoramablick vom Weinberg auf Wien mit Donau, Brücken und Donau City
Zwischen herbstlichen Bäumen öffnet sich der Blick auf die Donau und Wien.

Von hier oben wirkte alles so friedlich. Die Straßen und Häuser lagen wie ein sorgfältig gezeichnetes Bild in der Ferne. Nur ein wenig Wind in den Blättern, unsere Schritte auf dem Weg und das Rascheln der Reben begleiteten uns. Es ist eine der schönsten Eigenheiten Wiens, dass man nur wenige Kilometer vom geschäftigen Zentrum entfernt mitten in dieser stillen Weinlandschaft stehen kann.

Eine Sinnesbank und ein Augenblick zum Glücklichsein

Unterwegs entdeckten wir eine Sinnesbank – einen Ruheplatz, der dazu einlädt, die Umgebung ganz bewusst wahrzunehmen. Wir setzten uns, streckten die Beine aus und ließen den Blick über die Hänge schweifen. Vor uns die Weinreben, dahinter die dunkleren Hügel des Wienerwaldes, darüber die Sonne zwischen gewaltigen Wolkenfeldern. Die Luft war angenehm kühl, ein leichter Wind strich über die Landschaft, und für einen Moment gab es nichts zu erledigen und nirgendwohin zu eilen.

Cielo saß bei uns auf der Bank und schaute hinaus. Was sie wohl in diesem Augenblick dachte? Vielleicht genoss sie einfach die Nähe, die frische Luft und all die Eindrücke dieses Tages. Wir jedenfalls waren rundum glücklich. Oft sind es nicht die großen Ereignisse, die in Erinnerung bleiben, sondern solche stillen Minuten: ein vertrauter Mensch an der Seite, ein geliebter Hund und eine Landschaft, die schöner kaum sein könnte.

Zurück nach Grinzing, bevor es dunkel wird

Schließlich machten wir uns wieder auf den Weg. Die Sonne stand nun tiefer, die Schatten zwischen den Rebzeilen wurden länger und das Licht bekam jenen warmen, sanften Ton, den nur ein später Herbstnachmittag kennt. Wir gingen weiter durch die Weinberge zurück nach Grinzing und waren noch vor Beginn der Dämmerung zu Hause. Cielo hatte einen erlebnisreichen Ausflug hinter sich, und wir waren angenehm müde, zufrieden und voller schöner Eindrücke.

Ein kleiner Zug, goldene Weinberge, eine gute Jause und ein Spaziergang mit unserem Hund. Manchmal liegt das größte Glück ganz nah. Man muss nur hinausgehen und es entdecken.

Unser Ausflugstipp: Kahlenberg-Wanderung mit Hund

Wer Wien im Herbst von seiner ruhigeren Seite erleben möchte, dem empfehlen wir die Kombination aus einer Fahrt mit dem Heurigenexpress hinauf zum Kahlenberg und einem Spaziergang durch die Weinberge nach Grinzing. Der Express verkehrt saisonal; aktuelle Fahrtzeiten sollte man vor dem Ausflug prüfen. Weitere Wege rund um den Berg beschreibt der Wiener Stadtwanderweg 1. Mit Hund gehören Wasser, Leine und Rücksicht auf die Arbeit der Winzer selbstverständlich dazu.

Unterwegs mit Cielo – The Meat & Lead.

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